CESBA

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CESBA bedeutet Common European Sustainable Building Assessment. In Europa gibt es derzeit mehr als 80 Gebäudeevaluierungssysteme. Diese sind ganz unterschiedlich aufgebaut, z.B. im Hinblick auf ihre Struktur, ihre Evaluierungsmethode, und ihre Indikatoren. In Europa treffen zahlreiche regionale Baukulturen aufeinander, und deshalb ist es wichtig, dass europäische Gebäudestandards regionale Umstände berücksichtigen können. Weil Gebäudeevaluierungssysteme so unterschiedlich sind, ist eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse derzeit schwierig. Eine Harmonisierung der Evaluierungssysteme erscheint daher dringend notwendig.

Außerdem sind die bestehenden Gebäudeevaluierungssysteme nicht nutzerfreundlich und umfassen weder alle Phasen des Gebäudelebenszyklus noch alle Aspekte der Nachhaltigkeit, also ökonomische, ökologische und soziale Aspekte. Daher verfolgt CESBA einen ganzheitlichen Ansatz.

CESBA: Gemeinsam für eine nachhaltige Baukultur in Europa

Die Integration und Partizipation der Zivilgesellschaft ist von großer Bedeutung. Deshalb ist CESBA eine Bottom-Up-Initiative, deren Ziel es ist, einen gemeinsamen, transparenten breitenorientierten und öffentlich zugänglichen Leitfaden für Gebäudeevaluierung zu schaffen. Das sind die Prinzipien von CESBA und darauf bezieht sich auch das Leitbild von CESBA.

CESBA beinhaltet und vereint die folgenden Aspekte einer zukunftsorientierten nachhaltigen Baukultur:

  1. Harmonisierte Indikatoren, mit denen die Qualität des Gebäudes in allen Phasen des Gebäudelebenszyklus gemessen werden kann. Diese Indikatoren sind angelegt an die die europäische Norm CEN/TC 350 und an die Ergebnisse aus EU-Projekten wie ENERBUILD, IRH Med, SuPerBuildings, OPENhouse, CABEE, CEC5
  2. Integration aller Aspekte des Gebäudelebenszyklus sowie der CESBA Services, der CESBA Schulungen und der CESBA Zertifizierung.
  3. Stetiger Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen Gesellschaft und relevanten Institutionen. CESBA basiert auf technischen und thematischen Standards und formalen Standards.

Gebäudelebenszyklus, Tools und Services


Bedarf & ZielArchitektur, AusschreibungPlanungAusschreibung BeschaffungBauphaseInbetriebnahmeMonitoring und NutzungKategorie:SchulungenKategorie:ServiceKategorie:ZertifizierungKategorie:IndikatorenCesba circle


Die Aspekte der Nachhaltigkeit sollten während des gesamten Gebäudelebenszyklus berücksichtigt werden:

  1. Bedarf und Ziel
  2. Ausschreibung und Architektur
  3. Planung
  4. Ausschreibung Beschaffung
  5. Bauphase
  6. Inbetriebnahme
  7. Monitoring und Nutzung

Zertifizierungen, die durch CESBA harmonisiert sind, verfolgen diesen ganzheitlichen Ansatz. CESBA bietet über den gesamten Gebäudelebenszyklus hinweg Schulungen für verschiedene Zielgruppen sowie Serviceleistungen. Alle Inhalte von CESBA sind in diesem Wiki zugänglich.

CESBA Ziele der Nachhaltigkeit

Stellhebel Bauwirtschaft

Der Bausektor verursacht 40% des Energieverbrauches und ist ein dominanter Verursacher des zu hohen CO2 Ausstoßes; ein klarer Grund weshalb die EU um eine Standardisierung der Bewertungsverfahren, um Reglementierung und um eine höhere Beachtung in den Mitgliedsstaaten bemüht ist. Regionalpolitisch setzt sich bereits die Erfahrung durch, dass Unternehmen mit Know-how-Vorsprung im CO2 reduzierten Bauen zunehmend Wettbewerbsvorteilegenießen, was wiederum zur Stärkung und Stabilisierung der lokalen Beschäftigung führt.

CO2 Reduktion

Kohlenstoffdioxid ist mit einem Anteil von etwa 0,039 Prozent (ca. 390 ppm, Stand 2011) in der Atmosphäre enthalten und hat einen Anteil von ca. 20 % am natürlichen Treibhauseffekt. Das Gas entsteht u.a. bei der Verbrennung fossiler Energieträger (durch Verkehr, Heizen, Stromerzeugung, Industrie) und wird im Schnitt erst nach 120 Jahren in der Atmosphäre abgebaut. Kohlenstoffdioxid macht etwa 60 % des vom Menschen verursachten zusätzlichen (endogenen) Treibhauseffekts aus. Nahezu 100% stammt aus der Verbrennung im Zusammenhang mit dem Energieverbrauch (Verbrennungsmotoren, Heizung, Heizkraftwerke usw.). Trotz Zunahme der natürlichen Bindungsmechanismen kann der natürliche Ausgleich längst nicht mehr ausreichend stattfinden, das führt zur Klimaveränderung. Für die Baustoffgewinnung, Erzeugung, die Baumaßnahmen und Betrieb (Strom und Wärme), sowie die Verwertung beanspruchen 40% der Gesamtenergie. Dieser immense Anteil zeigt einen entscheidenden Stellhebel für die Regionen auf, zumal viele KMU’s in die Bauwirtschaft eingebunden sind (Arbeitsmarkt Bau- und Baunebengewerbe).Lösungsansätze und Technologien, die zu CO2 reduzierter Bauweise führen versprechen auch einen Wettbewerbsvorteil für eine Vielzahl an Betrieben in der Region. Vorarlberg hat sich auf dem Bausektor positiv weiterentwickelt und ist in den Themenfeldern Architektur und der Umsetzung von Passivhäuser eine führende Region in Europa und kann von einer positiven Entwicklung in der Baubranche sprechen. Die Erfahrungzeigt, dass einerseits die Nachfrage gesteuert werden muss. Dies bedingt die Wissensvermittlung Richtung öffentliche und private Bauherrn und andererseits geht es um die Wissensvermittlung an die KMUS und um die Steigerung der Innovationskraft in der Branche.

Gestaltungsmaßnahmen

a) Bauphysikalische Beratung in der Produktentwicklung: Im Rahmen bauphysikalischer Beratung werden Grundlagen entwickelt, die auf die Auswahl von Baustoffen und deren Verarbeitungsart Einfluss haben. Es geht um betriebsübergreifende, kooperative Entwicklungsarbeit im Sektor des ökologischen und CO2 reduzierten Bauens.

b) Wissensvermittlung zu CO2 Reduktion am Bau: In weiten Teilen Europas ist der Bausektor hauptsächlich in den Händen der Klein- und Mittelbetriebe. Dieses Segment ist ein wichtiger Arbeitgeber für den lokalen Arbeitsmarkt. Um einen entsprechenden Wettbewerbsvorteil zu erreichen, ist es notwendig, das bauphysikalische Wissen für CO2 reduziertes Bauen in die Unternehmen zu transferieren. Am effektivsten kann dies als Vorgabe für die Vergabe von Aufträgen erfolgen.


c) Entwicklung und Implementierung von Evaluierungsverfahren: Konstruktive und zielgerichtete Planungsprozesse können in Bezug auf CO2 reduziertes Bauen dann erfolgreich sein, wenn schlagkräftige Instrumente zur Evaluierung von eingesetzten Materialien bzw. Arbeitsweisen im Sinne des CO2 reduzierten Bauens vorhanden sind. Dies gilt auch bei der Überwachung im Zusammenhang mit der Bauausführung und im Zusammenhang mit derobjektivierten Bemessung von Förderungen; Zertifizierungsverfahren, Anreizsysteme Zudem ist anzumerken, dass das Thema Energie in der Raumplanung zum gegenwärtigen Zeitpunkt wenig Niederschlag findet. Spätestens bei der Planung von örtlichen und überörtlichen Mobilitätslösung, beim Bau von örtlichen Nahwärmenetzen, bei der Situierung der „Energiezentrale“, bei Sitzungen des Gestaltungsbeirates, nach einem Antrag zur Errichtung einer Energieerzeugungsanlage in kleinem und größerem Umfang, bei Beratungen im Umgang mit der alten Bausubstanz oder schlicht bei der Suche nach einer Aushubdeponie fällt auf, dass die dementsprechenden raumplanerischen Instrumente für eine nachhaltige Planung und Beurteilung fehlen. Mit der CESBA Initiative soll diesem Manko begegnet werden.

CESBA: Vorarlberg als Modell

Vorarlberg - Land der nachhaltigen Baukultur

Enstehung einer gemeinsamen Initiative: Die EU unterstützt Projekte, die sich mit der Entwicklung von Bewertungsverfahren auseinandersetzen. Im EU-Alpine Space Projekt ENERBUILD wurden namhafte Konzepte zur ökologischen Gebäudebewertung verglichen. Dabei hat sich herauskristallisiert, dass sehr viele parallele Entwicklungen stattfinden und eine stärkere Zusammenarbeit sinnvoll ist. Auf einer gemeinsame Konferenz im Oktober 2012 in Brüssel wurde die Notwendigkeit einer Harmonisierng erkannt, dies kann als Startpunkt der Entwicklung von CESBA gesehen werden. Es handelt sich um einen gemeinsamen Auftritt der Projekte OpenHOUSE,Construction21, CEC5, ENERBUILD, CABEE, MARIE, SuPerBuildings und IRHmed.

Vorarlberg als Modell: Das kleine Bundesland Vorarlberg gilt als eine Hochburg moderner Architektur und konnte sich gleichzeitig als Land entwickeln, das über die höchste Dichte an Passivhäuser im privaten und öffentlichen Sektor in Europa verfügt. Der öffentliche Bereich wurde durch das Projekt ENERBUILD im Rahmen dessen der KGA-Kommunale Gebäudeausweis entwickelt und eingeführt wurde. Das in Vorarlberg implementierte Zertifizierungsverfahren (KGA) in 2011 führt dazu, dass nahezu 100% der öffentlichen Bauten wie: Gemeindezentrum, Kindergarten, Schule, Sozialzentrum, im Passivhausstandard errichtet werden. In dem Vorarlberger Konzept erhalten jene Gemeinden, die eine bestimmte ökologische Punkteanzahl erreichen eine finanzielle Unterstützung; Anreizsysteme. Diese steuerpolitische Maßnahme zeigt Erfolg und weckt das Interesse nach einem ganzheitlichen, steuerpolitisch wirksamen Zertifizierungsansatz. Der KGA ist eine Entwicklung von EIV-Energieinstitut Vorarlberg des UVV-Umweltverbandes und Spektrum dem Bauphysikalischen Institut. Das ENERBUILD-Projekt wurde von Telesis geleitet. Ähnliche Ansätze entwickeln sich zusehends auch in benachbarten Ländern. Mit der Gemeinschaftsinitiative CESBA wurde die weitere transnationale Entwicklung eingeleitet.